Sonntag, 15. Oktober 2017

Nach der Nachtschicht

Vor einer schönen ElliptiGo-Tour ist erst noch Nachtschicht angesagt. von 18:30 Uhr bis ca. 3 Uhr nachts - Livestream vom Ironman Hawaii.
Es ist schon der Wahnsinn, was dort abgeht. Da hat Jan Frodeno einen kapitalen Einbruch zu Beginn des finalen Marathons. Ach, wie kann ich es nachfühlen, wie es ist, wenn man nicht mehr laufen kann, sondern nur noch gehen.
Dann präsentiert sich Sebastian Kienle in Top-Form, bevor ihm plötzlich beim Lauf die Beine schwer werden. Und dann stürmt Patrick Lange aus der -relativen- Tiefe des Feldes heran und lässt alle anderen hinter sich. Welch ein Lauf! Auch wenn mir einzelne Passage fehlen, es war es wert, die halbe Nacht wach zu bleiben!
Und als Kontrastprogramm - ElliptiGo! Vielleicht einer der letzten Touren des Jahres, bevor das Wetter ungemütlich wird. Ich rolle entlang der Erft, die heute wohl wegen der schönen Witterung ware Heerscharen an Spaziergängern, Radlern, Gassigängern etc. anzieht.
In der Kreisstadt ein kurzer Abstecher zu einem Areal meiner Kindheit. Es gab einen putzigen Übungsplatz für radelnde  Kinder. Oh, wie war ich stolz, als ich vor 50 Jahren den Fahrradführerschein dort bestanden habe und der grün-weiße Wimpel mein Rad zierte!
Heute - alles verlassen. Ein "lost place" wie es so schön heiß. Ein paar der alten Markierungen auf den Sträßlein im Miniformat sind noch erkennbar. Ob heutige Kinder das nicht mehr brauchen? Gleich 3 Schulen lägen direkt in der Nähe.




Nach dem Abstecher geht es weiter entlang der Erft.
Herrliche Luft, raschelndes Laub, man riecht den Herbst.


Als Abschluss noch Speedway :terra nova, die alte Bandstraße. Gut belebt heute.
Doch der Herbst zeigt sich deutlich. Selbst wenn es in der Sonne warm ist, an vielen Stellen sind noch die kleinen Spinnwebkunstwerke von Tau bedeckt zu sehen. 




Und am Ende: Obligatorischer Stopp an der Kante.
Wunderschöne Tour heute, nur der Gegenwind des Rückwegs, den hätte es nicht gebraucht.


 21°, 31,3 km, 1:49:19, (17,2 km/h), HF 140

Sonntag, 8. Oktober 2017

Cruisen in Chemnitz


Der Post-Titel stand ja schon fest und die Laufausrüstung hatte ich auch zur Dienstreise mit eingepackt. Doch dann fiel die geplante Laufrunde leider dem Sturm zum Opfer.
Aber wenigstens gab es eine sportliche Komponente anderer Art: Im Rahmen der zu absolvierenden Sitzung besichtigten wir das Sportforum (Link), ein riesengroßes Areal, das neben einem Sportgymnasium auch einen der deutschen Olympiastützpunkte (Link) beherbergt. Machen wir einen kleinen Spaziergang.

Ursprünglicher Kern der Anlage ist das 1926 erbaute Stadion, das große Zeiten und Spiele gesehen hat.










Leider heute arg marode, gesperrt. Doch man hat Pläne einer Wiederbelebung. Der lokale Fußballclub hat zwar inzwischen ein modernes Stadion an anderer Stelle, doch er trainiert weiterhin gleich beim alten Stadion auf einer Rasenfläche.
Diese hat aber dummerweise ein Gefälle zu einem Tor hin, weswegen man den Gedanken hegen könnte, dass deswegen der Verein nur noch bei solchen Gefällesituationen wie auf dem heimischen Trainingsareal treffen kann...


Die Halle der Bodenturner-Herren.
In der der Damen (hier ohne Bild) erfuhren wir, dass dort noch der "Moskauer Boden" läge. Das hat keinerlei politischen Hintergrund. Man versucht vielmehr, den gleichen Boden zu beschaffen, auf dem bei der nächsten Olympiade zu turnen sein wird. Weil jeder Boden andere Federungseigenschaften mitbringt.





Eine Dreifach-Halle für Ballspiele hat einen eigentümlichen "Flansch" angebaut, ohne Fenster, ohne Tür. Die Erklärung: Zu früheren Zeiten trainierte ein sehr begabter Weitspringer im Winter in der Halle. Doch es fehlten immer ein paar Meter für den richtigen Absprung. Die hat man dann kurzerhand einfach als "Blinddarm" angebaut.





Die Schwimmhalle in Seitenansicht.













Außen fallen Schienen auf. Wo Fußballclubs ihren Rasen ins Stadion und hinausrollen, so wird hier bei Bedarf die ganze Hallenkonstruktion auf den Parkplatz geschoben. Ist einfacher, als das mit dem Becken zu tun.
Eine Schiebung dauert 8 Stunden.






Die Leichtathletikhalle.
Unter der Tribüne noch eine kleine Sehenswürdigkeit...










Es wurde eine 110 m lange Sprintbahn eingebaut, am Ende mit einer Sprunggrube ausgestattet. Hier trainierte Heike Drechsler.
Dummerweise touchierte sie wohl beim Absprung gelegentlich die Querträger, so dass man einen Prallschutz nachrüsten musste.







Nach so viel sportlichem Input war daheim natürlich laufen angesagt.
Die Sonne lugte sogar nach einem morgendlichen Schauer hervor. Der Wind hat zwar Bäume und Sträucher arg entlaubt, doch solche Schäden wie sie Volker bei sich läuferisch entdeckt hat, scheint es im Rheinland nicht gegeben zu haben.





Auf einer Koppel stehen einige Pferde dampfend in der Herbstsonne.
Es läuft locker, mit 13° perfektes Laufwetter.










Als ich zu meinem Wohnort zurückgelange, ist mir noch nicht nach Ende. So hänge ich eine Runde ins Gewerbegebiet an.
Dort treffe ich auf diesen Prachtburschen.
Sieht er nicht richtig treu und zuverlässig aus?








Dachte sich ein Fertighaushersteller auch und schmückt seine Reklame mit ihm. Hoffentlich baut er seinen Kunden großzügigere "Nestchen", wie er es bei seinem Werbeträger zeigt...








13°, 13,8 km, 1:29:35, (6:29 Min/km), HF 135


Dienstag, 3. Oktober 2017

Relativ gemein

Der Herbst drängt mit Macht heran.
Es ist windig, das Laub fällt, aber wenigstens sind 16° noch angenehm - aus Frostbeulensicht.
Die Marathonis in Köln hatten ähnlich gute Laufbedingungen. Das Zuschauen mit Helge (Link) ist kurzweilig. Wir beneiden diejenigen, die locker flockig an uns vorbeirennen. Gemein ist, dass ihr Mann Andi mit nur wenigen 100 km Jahreslaufleistung nachher eine bessere Zeit hinlegen wird, als ich mit meinen bisher 1400 Jahrskilometern....
Doch das soll mich nicht einbremsen und heute sollen wieder ein paar km mehr auf den Tacho gelangen. Vorbei gehts am Hühnerhaufen.
Die neuen Lieblinge unseres Orts, die freilaufende Schar, genießt ihr Landleben. Doch obwohl pro Henne 20 qm (!) Wiese zur Verfügung stehen, drängt sich ein gackerndes "Wachbatallion" dicht am Zaun. Die Damen sind es nämlich inzwischen gewöhnt, dass die zahlreichen großen und kleinen Fans Futter mitbringen.
Als ich meine Kamera aus dem Regenschutzbeutel nehme, ist das für sie daher eindeutig: Mensch+Beutel=Futter.

Dass es nichts gibt, lässt sie etwas ratlos zurück. Ich glaube, die finden das gemein. Eine kann es gar nicht fassen und begleitet mich noch ein Stück am Zaun entlang.
Demnächst bekommen sie Gesellschaft. Wegen des großen Erfolgs bereitet der Bauer eine zweite Weide für eine weitere Mannschaft vor.






Der Wind ist gemein zu mir. Dauernd drückt er mir den Sonnenschild meines Schlauchschals entweder ins Gesicht ...










... oder er reißt ihn nach oben. Aber von solcher Unbill lässt man sich ja nicht vom sporteln abbringen.
Der nächste Marathon wird anvisiert, und da soll schließlich kein Rost angesetzt werden!

Zur Motivation greife ich gern nochmals zurück auf die Einstein'sche Relativitätstheorie:
Zwar spulte mein Mann, wie nicht anders zu erwarten, 55 Minuten schneller als ich den Berlin Marathon (Link) ab. Doch in der Platzierung liege ich gute 5000 Plätze vor ihm! Ok, er wird in der Männer-, ich in der Frauenwertung geführt, und es rennen halt mehr Kerls als Mädels. Aber FÜNFTAUSEND Plätze weiter vorn, das hört sich doch richtig super an, oder? Auch wenn der Vergleich ein ganz klein wenig gemein ist.

Beseelt von solchem Gedankengut läuft es sich gleich nochmal eins lockerer.
Zudem habe ich auf dem letzten Drittel meiner Runde Rückenwind - herrlich.
Kann ich mir den mal einpacken lassen für einen Lauf, bei dem es mal nicht so locker läuft?




16°, 12,5 km, 1:20:20, (6:25 Min/km), HF 135

Samstag, 30. September 2017

Von Rausch und Kater

Ja, die Wanderschuhe haben zwar ein wenig "Grün" angesetzt, aber mit den Laufschuhen soll es sicher nicht soweit kommen. So geht es heute zu einem ersten kleine Läufchen, nachdem ich ansonsten seit Montag dem läuferischen Phlegma erlegen war.
Eine Nach-Marathon-Woche ist immer eine besondere. Aufstehen am Montagmorgen - ächzend. Der Muskelkater in den Beinen läuft gerade erst zur Höchstform auf. Die Knie fühlen sich an, als hätte ich sie am Vortag verdreht. Im Frühstücksraum des Hotels sehe ich mit kleinem Amüsement, dass es aber auch einigen anderen so geht. Selbst wer ohne Medaille oder Finishershirt zum Buffet geht, verrät sich am Gang 😆.

Ein kleiner Spaziergang um den Block tut gut und lockert die Beine. Wir machen einen Abstecher zum Ballon, der aus windigen Gründen am Boden bleibt.








Viel Zeit verbringen wir bei der "Topografie des Terrors",  einer Art Zeitreise an einem ehemaligen Stück Mauer und Fundamenten ehemaliger Gestapo-Bauten entlang. Schaurig.








Nach einer ausführlichen läuferischen Nachbetrachtung des Sonntags mit Volker und einer letzten Currywurst am Flughafen ist der "Rausch Berlin" dann schon wieder vorüber.
Äußerlich.
Denn innerlich bin ich immer noch im Marathongeschehen verhaftet, bin eigentlich nur körperlich anwesend.
Es ist teils wie früher, wenn 2 Dias auf einmal im Projektorschlitz landeten, und man 2 Welten übereinander sieht. Immer wieder tauchen Szenen und Eindrücke von den 42,195 km auf.
Vor allem, als wir am Dienstag Abend die daheim aufgezeichnete Sportübertragung anschauen, sind wir wieder mitten drinnen, erkennen manche Straße wieder, fiebern mit der Spitze, obwohl wir das Ergebnis ja kennen. Und leiden mit Philipp Pfleger, der taumelnd am Streckenrand aufgefangen wird.

Und wieder wundere ich mich, dass gute 48 Stunden nach dem Lauf eigentlich die meiste Pein schon wieder verflogen ist. Gut, Treppe mag man nicht so unbedingt steigen, aber ansonsten geht Gehen schon wieder wie sonst. Blasen an den Füßen hatte ich eh' keine. Verrückt.

Eine kleine Erinnerung trage ich noch mit mir herum: Das Marathonbändchen, das jeder Teilnehmer als zusätzlichen Berechtigungsnachweis zur Startnummer um das Handgelenk bekam. Hält sich erstaunlich gut.
Kurz liebäugelte ich auch mit einer spontanen Teilnahme am Halbmarathon in Köln. Fühlte mich dann erstens aber doch zu schlapp und zweitens ist der nun auch ausverkauft. Geh' ich halt mal so an die Strecke zugucken.

Aber heute nach ersten Herbstdekorationsaktivitäten wird es dann Zeit für einen ersten Lauf. Es regnet zwar, doch das macht rein gar nichts. Im Gegenteil, passt irgendwie zum fortgeschrittenen September, zur spürbar früher hereinbrechenden Dunkelheit und zur Stimmung.
Über nasses, gelbes Laub geht es 50 Minuten durch Wald und Ort. Tut gut.




13°, 7,8 km, 51:17 Min, (6:31 Min/km), HF 139