Donnerstag, 17. August 2017

Einmal rund ums Loch


Der Doc sagt, ich darf wieder! Da die Bedingungen passen, entschließe ich mich spontan ein Projekt umzusetzen, das mir schon länger im Kopf herumgeht. Wo Doris gern mal einen See umrundet, umrunde ich auch, unser Riesenloch. Aber zu Fuß wäre das doch etwas viel, da nehme ich doch lieber Elli und wir machen uns auf zur längsten ElliptiGo-Tour, die ich bisher machte.


Los gehts entlang des Tagebaurandes. Der teils aussieht wie eine Knastmauer. Die seltsamen Dinger oben drauf sind hingegen keine Raubvogelansitze, sondern Regner. Und da es trocken ist und windig, versprühen sie heute feinen Wassernebel, um aufwirbelnden Staub zu binden, auf dem Foto nicht zu sehen. Bei 24° stört das nicht weiter.




Anstelle eines Tagebaubildes, wie es sie im Blog schon öfter gab, ein wenig Kunst. Das ist der Ausgangspunkt des Speedway :terra nova (schreibt sich wirklich so).
Heute gehe ich nicht auf diese Spezialpiste, sondern quere sie und rolle weiter Richtung Sophienhöhe. Dort entsteht gerade eine besondere "Anpflanzung", dieser Vergleich drängt sich mir fast auf. Wie Krokusse im Frühjahr gedeihen hier seit einiger Zeit Windräder. Interessant ist zu beobachten, wie sie gebaut werden. Gerade sind Spezialfahrzeuge mit Flügeln angekommen. Am Boden ist das ein wahnsinniger Anblick, geht nur auf kein Foto.



























Diesen Weg am Fuß der Sophienhöhe lief ich vor einer Weile einmal. Da war es heiß und trocken. Heute ist der Weg nach dem nächtlichen Gewitter sandig-pampig aufgeweicht. Eine kleine Herausforderung.
Der sandige Weg, das Maisfeld rechts, irgendwie fühle ich mich wie auf dem Balkan.





Bald folgt Abwechslung. Ich rolle durch Wald, wie er schöner kaum sein könnte. Herrliche Luft und Ruhe.














Nach dem Wald schöne Ausblicke und eine kleine Passage wie durch eine englische Heckenlandschaft.


























Und dann folgt auch die Stelle, an der ich Samstag zweimal vorbeikommen werde. Laufend, beim Monte-Sophia-Lauf 😅.
Nach rechts geht es auf die 10-km-Strecke. Nach links zu den 28 km, und nachher kommt man genau von dort zurück und ist fast schon im Ziel.
Mein Ziel ist noch weiter weg. Gerade die Hälfte habe ich.




Nur anhand der Radwanderkarte erkenne ich, was das hier ist. Ein Rest der ehemaligen A4. Sie überquerte hier eine Unterführung, die heute nicht mehr besteht. Die Häuser des nächsten Dorfs liegen gleich hinter der Baumreihe. Die Bewohner sind sicher froh, dass die Autobahn weggenommen wurde.
Sie verläuft etwa nun 300 m weiter südlich, hinter dieser Lärmschutzwand.
Langsam werden die Beine etwas müde und ich spüre besonders die Hüftpartie.









Schon wieder auf unserem Stadtgebiet entdecke ich diese lustige Markierung. Sollen hier Reh und Hase geleitet werden? Nein, dem Ortsteil wurden spezielle Rundwanderwege ausgeschildert, die jeweils einen Tiernamen haben.











Eine letzte Bank mitten im freien Feld nutze ich nochmals gern zu einem Päuschen. Sitzend ist es warm, rollend (da dies aufrecht stehend geschieht) bin ich optimal windgekühlt.
Ich überlege schonmal, was ich mir daheim als erstes gönne: Radler? Fruchtjoghurt (Limette-Holunder wäre suuuper)? Oder gar einen Eisbecher beim Italiener?
Mit dieser wichtigen Frage im Kopf rolle ich in meinem Ortsteil ein. Doch ich hatte nicht bedacht, dass ich die Zufahrt durch ein ansonsten ruhiges Gewerbegebiet gewählt habe. Diese Straße dient derzeit als Umleitungsstrecke für die gesperrte Bundesstraße, Autos und LKW von fern und nah müssen sich hier durchquälen.
Eigentlich hatte ich mich für Joghurt als gesunde Option entschieden. Nachdem ich jedoch dreimal auf einem halbem Kilometer radrücksichtlose Fahrer erleben durfte, brauche ich Nervennahrung und rolle spontan bei der Eisdiele vor  😁.
Nach einem Amarena-Becher bin ich wieder halbwegs im nervlichen Lot.

Quelle: Google Maps
Schöne Runde war das heute, die längste bisher mit Elli. Was mir die Beine auch im späteren Verlauf des Tages zeigen.









24°, 53,33 km, 3:11:24 (netto)

Dienstag, 15. August 2017

Überraschungen, auch auf finnisch

Das im Wetterdienst für meinen Wohnort für 11 Uhr geweisssagte 9% Regenrisiko plätschert schon um 10:45 zu 100% vom Himmel. Die "Heiterkeit" bricht sich in erstem Donnergrollen Bahn.
Aber egal, diese Überraschung.

Die viel Wichtigere ist, dass die Spritze des Docs schon deutlich Fortschritte zeigt. Herrlich, ich kann wieder problemlos essen und trinken, der Hals beginnt sich zu lockern!😀
Ich brauche jetzt einfach mal schnell das Gefühl von Bewegung. Elli muss her. Und wie schon bei meiner Fußverletzung überzeugt sie mich durch das erschütterungsfreie Fortbewegen. Laufen traue ich mich noch nicht, aber dieses herrliche Gleiten durch die Landschaft, nur für ein halbes Stündchen, macht schmerzfrei Spaß und baut auf. Wie schön, dass ich meine treue grüne Freundin habe! Und genau in dem Moment, als wir vor der Garage ausrollen, fallen die ersten Tropfen der oben erwähnten 9% und ich kann Elli trocken hinein schieben. Es müsste mal alles im Leben so passgenau zusammenkommen.

Eine andere Überraschung brachte gestern der Postbote. Ein Päckchen von Polar.

Ich erwartete meinen seit 3 Jahren getragenen V800 sehnsüchtig zurück, der zwar funktionierte, nur eben nur keine Datenübertragung mehr hinbekam.
Flugs das Päckchen geöffnet, jawoll, mein Originalkarton, sicherheitshalber mit meiner Adresse versehen.
Kurzer Blick auf die Rechnung - 0,00 EUR. Hey, prima!
Blick auf die Uhr.
Mh. Irgendwie anders...
Warum haben die da Folie drum gewickelt?
Und, äh, das Display...?

Was ist das für eine Lasche?










Lässt sich abziehen.
Überhaupt, sieht so neu aus...
Es IST neu, funkelnagelneu!
Ich bin völlig verdattert. Näherer Blick auf die Rechnung. Dort steht etwas von Schmutzablagerungen am Ladeanschluss. Allerdings, die Blöße will man sich ja nicht geben, den hatte ich zuvor ja gereinigt, so, wie ich es für gut hielt. Ein freundlicher Hinweiszettel mit Reinigungsanleitung liegt auch bei.

Und die neue Uhr hat auf der Rückseite nun eine Abdeckung eben dieser kritischen Stelle.
Tja, das ist mal ein richtig dicke Überraschung. Ich bin sehr erfreut und kann da nur höchstmögliche Servicequalität konstatieren. Von 100 Punkten vergebe ich 110 😉




Sicherheitshalber schau' ich nochmal. So viele Nullen auf einer Rechnung hatte ich noch nie.
Dann freue ich mich auf viele Kilometer mit meinem Neuen, auch wenn er demnächst ein Alter ist, weil, wie man munkelt, ja wohl schon der Nachfolger demnächst am Start sei.😊


Sonntag, 13. August 2017

DNS in Monschau

Das hatte ich mir heute etwas anders vorgestellt... Aber nun ja, irgendwann war es wahrscheinlich einmal zu erwarten, ein DNS.
Nach den beiden zwar anstrengenden, aber schönen Trainings auf der Monschauer Original-Marathonstrecke (LinkLink) wuchsen Gedanke und Reiz, dann doch auch den Marathon mitzulaufen. Im Trainingsmodus, also Ziel bei etwa 6 Std.
Ich freute mich sehr darauf.

Doch dann, am Donnerstag Morgen werde ich wach mit einem leicht steifen Hals. Naja, vielleicht falsch gelegen, einen Zug abbekommen. Macht nichts, ich arbeite, ich laufe, das gibt sich wieder.

Am Freitag Morgen hat sich nichts gegeben, im Gegenteil, der Hals wird steifer. Ich versuche mich in Halsmassage, Wärmeanwendung, vorsichtiges Kopfdrehen. Ansonsten Alltag as usual.

Samstag Morgen geht es mir übel. Alles noch steifer. Eine böse Vorahnung kommt. Ich bleibe bis Mittag im Bett und raffe mich dann auf, mit meinem Mann die Startnummern holen zu fahren. Noch hoffe ich auf Spontanheilung. Die lässt sich aber nicht blicken, im Gegenteil, jede Kurve, jede Unebenheit auf der Straße schickt mir gnadenlos Stiche in Hals und den mittlerweile kopfwehgeneigten Schädel.
Ich muss mich wohl von meinem herbeigefreuten Lauf verabschieden.

Die Nacht zum Sonntag verbringe ich wachend. Ich finde keine schmerzfreie Liegeposition. Zudem ist Schlucken inzwischen äußerst schmerzhaft, und sei es nur ein wenig Speichel. Ich beobachte meinen Mann, wie er in tiefem Läuferschlaf seiner Weckzeit entgegenschlummert. Das hier ist das Gegenteil von Spontanheilung. Der Kopf lässt sich nur noch einzelne cm vertikal und horizontal bewegen, inzwischen kommen leichte Atemprobleme hinzu, weil der Kopf so schräg will, dass die Luftröhre teilweise abgedrückt wird. Wenigstens macht es mir diese Qual leicht, mich vom Lauf nun ganz zu verabschieden.
Als mein Mann und Heidrun sich gegen 4:30 aufmachen Richtung Ultra in Monschau, bin ich immer noch damit beschäftigt, Ruhe zu finden.
6 Uhr, nun stehen sie in der Eifel am Start :-( Ich versuche ein kleines Frühstück, was an meinen Schluckproblemen scheitert. Und während sie rund um Monschau munter durch die Landschaft laufen, kratze ich meine Kräfte zusammen, um zum ärztlichen Notdienst zu fahren, fertig mit den Nerven. Dort treffe ich auf eine hilfsbereite aber überforderte Ärztin, die auch nur im Nebel stochert und keinen näheren Plan hat. Wenigstens lindern die verordneten Medis ein klein wenig die Probleme. Morgen muss ich zum Facharzt.
Mein Mann und Heidrun kommen später happy zurück. Ich freue mich mit ihnen und die gelungenen Läufe über 56 km. Auch Geli und Nile dürfen sich Finisher im Ultra nennen. Glückwünsche!
Mein Mann überbringt mir freundliche Grüße von einem Bloggerkollegen, dessen Namen er aber vor lauter Erstaunen, öffentlich erkannt worden zu sein, nicht mehr parat hat. Ich habe so eine Vermutung, wer es gewesen sein könnte...

Tja, shit happens. Nächstes Jahr gibt es den 42. Monschau-Marathon!

Donnerstag, 10. August 2017

Herbstübung

Wüsste man es nicht besser, heute könnte Herbstanfang sein.
Es plätschert und plätschert und plätschert vom Himmel herab.
Da ziehen sogar unsere Katzen das Hausinnere vor.
Nur milde 18° erinnern daran, dass ja eigentlich Sommer ist. Aber der darf auch mal eine Pause machen und dem Garten ordentlich einen einschenken.

Ich wähle dementsprechend meine bewährten Regenschuhe und dazu die neue ultraleichte Windjacke. Die ist zwar nicht wasserdicht, verhindert aber auskühlen durch Wind auf nasser Haut.

Das herbstlich trüb-diesige Wetter hat alles weggepackt: Keine Kraftwerke mehr zu sehen, keine Sophienhöhe. Die Hochspannungsleitungen, die sonst kreuz und quer verlaufen, verlieren sich im trüben Grau.
Der Regen plätschert auf meine Kappe und schnell durchdringen die Tropfen meine Tight. Egal, wenn man einmal läuft, dann läufts. Meine Vorgabe, knapp über Marathontempo, lässt sich gut erfüllen. Auch der Tempolauf 2 Tage vorher war flotter als der Plan es verlangte. Nichts mehr von schweren Beinen zu spüren.

1,5 km vor daheim sehe ich einen anderen Läufer unerschrocken durch den Regen laufen. Ah, da ist doch noch ein Unentwegter am Werke!
Beim Näherkommen erkenne ich ... meinen eidgenössischen Ehemann, der zwischenzeitlich auch Feierabend gemacht hat.
Er hat am Wochenende einen kleinen Ultra vor. Und ich einen richtig langen langen Lauf der Woche.

Ein schönes Gefühl, sich daheim die nassen Klamotten abstreifen zu können.
Und noch ein Sonnenstrahl ereilt mich: Polar mailt, dass man mir meinen V800 vom Service zurückschickt. Dann bin ich mal gespannt, ob ich danach wieder wie gewohnt meine Daten auslesen kann!

18°, 11,3 km, 1:10:39

Sonntag, 6. August 2017

Windige Sachen


21°, leicht bedeckter Himmel - ein Läuferwetter"träumschen", wie der Rheinländer sagen würde. Ich muss gemütliche 16 km abspulen und entscheide zunächst einmal unsere neue Megabaustelle anzuschauen. Sieht harmlos aus, eine Bundesstraße über eine Brücke, die für 4 Wochen voll gesperrt wird, um sie verkehrsfreundlicher auszubauen. Doch muss man wissen, dass sie die einzige direkte Verbindung zweier Ortsteile mit rd. 30.000 Einwohnern ist. Zudem führt sie über eine Autobahn und schneidet ein Autobahnkreuz an. Somit fallen auch diese Zu- und Abfahrten aus. Aufgrund dieser Rahmenbedingungen herrschte regelmäßig, und freitags ganz besonders heftiger Stau, eine Abhilfe also ist dringend notwendig. Nun müssen sich seit gestern alle für 4 Wochen (wenn der Plan gehalten wird, oder sind Berliner Firmen mit am Start?) neue Wege suchen. Die Fahrt zwischen beiden Ortsteile erfordert ab sofort mehrere km Umweg.
Jedenfalls herrscht hier nun eine gespenstische Stille.
Und da man anscheinend mit der Renitenz der Bevölkerung rechnet, werden die Sperrungen sogar von Posten bewacht.

Ich nutze die Gelegenheit, über mich selbst (und die meisten anderen Radler und Fußgänger) zu schmunzeln. Obwohl kein Auto weit und breit ist, bleibt man brav auf dem Radweg. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier, Pawlow lässt grüßen. Nur 4 Nonkonformisten (Bildmitte) geben sich den vollen Kick auf der Straßenmitte.

Ich kurve ein wenig durch Kerpen-"City" (Der Ortskundige versteht die ") und strebe auf einem Radweg Manheim-neu zu. Dabei passiere ich die Rückseite eines Autohauses, erhasche einen Blick auf die Vorderseite mit den Schaufenstern. Als ich schon ein paar Meter weiter bin, registriert mein Hirn, dass da doch was war...

Also zurück und über einen Grünstreifen hin zur Objektinaugenscheinnahme.
Oh wie schön! Aber das Fotografieren ist dank der blitzblanken Scheiben gar nicht so einfach...

Erster Versuch. Früher (also zu einer Zeit, als man noch Filme in den Fotoapparat einlegte) sah so eine klassische Doppelbelichtung aus.






Nächster Anlauf, einmal um die Schaufensterecke. Ich bin begeistert. Man beachte beispielsweise das hübsch ziselierte Seitenfenster!










Dritter Versuch, noch eine Scheibenecke weiter.
Ich glaube, ich muss da mal zur Öffnungszeit hin!











Hinter Manheim-neu verlasse ich meinen üblichen Weg entlang der Landstraße, teste eine neue Variante. Lohnt sich. Keine Autos, wunderbare Ruhe.
Nur der Wind...
Auf den ersten Kilometern in südlicher Richtung kam er von vorn. Nun laufe ich ein Stück nordwärts. Und der Wind?
Kommt von vorn.
Dann gehts ein Stück westwärts.
Und der Wind?
Kommt von schräg vorn.

Ist mir aber heute egal. Den Jungkühen auf der Weide sowieso. Ein seltener Anblick in unserer Region, Kühe draußen.

Die Beine sind heute lockerer als bei den letzten beiden Läufen. Ich hege die Vermutung, es könnte an den Schuhen liegen, denn heute habe ich etwas härtere Exemplare an den Füßen.

Die 16 km kommen mir sehr kurzweilig vor. So sollte es immer sein.
Am Ende laufe ich ostwärts.
Und der Wind?
Kommt von HINTEN!👍

Daheim angekommen, erhasche ich noch die Endphase des Herrenmarathons der WM in London. Doch mit der Reportage vom Donnerstag muss man die Bilder (wieder einmal oder immer mehr) ganz anders sehen: Geheimsache Doping: Wie Afrikas Sporthelden verkauft werden. Diesmal geht es weniger um Sperren, sondern um andere windige Schachereien. Die unschöne Seite des Sports.

21°, 16,2 km, 1:44:00

Donnerstag, 3. August 2017

Katerfrei

Es gibt doch immer wieder Überraschungen im Läuferleben. Nach meinem kleinen Spezialtraining in Monschau erwartete ich ähnliche Katerqualen wie schon eine Woche zuvor. Doch welche eine Überraschung - als ich am Montamorgen den ultimativen Gleisabgangstreppentest  im Kölner Haupfbahnhof vollzog, war zu konstatieren: Kein übermäßiger Kater hatte sich eingeschlichen! Ich konnte sogar locker am Nachmittag die 73 Stufen im Bürogebäude hinuntergehen.
Was es nicht alles so gibt!

Ein kürzerer scheller Lauf am Dienstag über 6 km war ok.
Heute steht ein langsamer 12'er im Plan. Doch der beginnt mit schweren Beinen.
Hinzukommt eine kleine Reminiszenz an den Wochenendlauf auf den Eifelhöhen: Der Wind bläst kräftig. Dermaßen, dass manch ein Vogel mit ausgebreiteten Flügeln einfach so in der Luft steht.
Ich gönne ihn mir 4 km gegen den Wind und laufe dann über eine fulminant geschwungene Feldwegautobahnbrücke, kann an deren Ende in den erfrischend kühlen Wald eintauchen.

Was aussieht, wie ein ungepflegtes Gewuchere ist in Wahrheit gewollter Wildwuchs, wie das Schild wissen lässt.
Ich laufe tief und tiefer in den Wald, teste einen mir unbekannten Querweg und will noch wissen, was hinter der nächsten Kurve ist.
Ich kann zwar nicht rückwärts einparken, aber Navigation, auch nach Himmelsrichtung, ist durchaus mein Metier!




Und ich täusche mich nicht, stehe bald wie vermutet auf einem der letzten Reste der alten A4. Ein "lost place", wie das so neudeutsch heißt. Es würde mich ja in den Beinen kribbeln, hier nochmal auf dem Asphalt zu laufen, wie es mir einmal früher gelang...








Kleiner Schwenk um 180°. Dieser Rest der A4 (ca. 400 m) wurde renaturiert und soll wieder zuwachsen.

Inzwischen sind meine schweren Beine ein wenig munterer geworden. Zudem bin ich nicht mehr dem Wind ausgesetzt, sondern laufe im Wald noch ein Stück geschützt weiter, genieße dort die Ruhe und gelange danach auf einen Teil meiner angestammten "Feldrunde".



Die Laufhalbzeit habe ich erreicht und kann mich die letzten 4,5 km auf dem Feld vom Rückenwind schieben lassen.
Die 26° sind dank des Windes sogar gut erträglich, nur die Schwüle scheint ein wenig laufkontraproduktiv.







26°, 11,3 km, 1:15:00

Sonntag, 30. Juli 2017

Monschau -Marathon-Training

Das zweite Gruppentraining bei den netten Leuten vom TV Konzen, der bestens organisierte Trainings auf der originalen Marathon-Strecke anbietet. Dieses Mal starten wir am am "echten" Startpunkt und werden bei km 33 an einem Parkplatz enden. Sogar Rücktransportmöglichkeiten mit Kleinbussen stehen dort später bereit!
Gruppeneinteilung wie gehabt (schnell-mittel-langsam). Einmal langsam bitte für uns!

Mein eidgenössischer Ehemann hingegen wählt, seinem Leistungsvermögen entsprechend, das Mittelfeld.
Und schon geht es los auf ruhigen Abseitswegen Richtung Monschau.
Dort sind wir zu so früher Sonntagsstunde  (es ist ca. 9 Uhr) fast allein in den Gassen unterwegs. Derart leer sieht man den Ort, der inzwischen sehr vom Tourismus lebt, selten.







Wir folgen dem Lauf der Rur (ohne "h") und passieren ein Klärwerk. Leider habe ich den Apparat nicht schnell genug zur Hand, um die dort auf dem Becken munter zirkulierenden Entengruppe zu dokumentieren.

Wir sind gemütlich und daher munter unterwegs. Kein Wunder, es ging ja die ersten km fast nur abwärts. Wärmer und leicht drückender als am Sonntag zuvor ist es, aber über 20° werden es nicht.
Hinter Monschau gehts zwangsweise aufwärts, denn der Ort liegt in einem Talkessel.









Nach rd. 10 km und einem ersten spürbaren Anstieg erreichen wir Widdau mit dem ersten Verpflegungspunkt. Hier begann das Training letzten Sonntag, das dafür dann am Original-Ziel endete.
Wir stärken uns für das Holderbachtal, das uns über 2 km mit einem markanten Anstieg erwartet.





Unsere Gruppe geht dort überwiegend und sinnvollerweise, denn es kommt ja noch einiges.
Etwas deutet sich schon über uns an. Der Wind rauscht sehr kräftig in den Baumwipfeln über den Läufern, es sind Böen bis 67 km/h angekündigt, und die laufen sich wohl gerade warm über unseren Köpfen.






Wir spüren es, als wir den Taleinschnitt verlassen, und auf die offene Höhe kommen. Holldrio, hier bläst es kräftig bis stürmisch (siehe den Baum am Weg im Bild). Keine Erholung nach dem Anstieg, hier müssen wir uns den tosenden Kräften entgegenstemmen.
Ich erleide ein ziemliches Tief. Der immer noch, wenn auch sanfter ansteigende Weg und dazu dieser Wind nur von vorne... Heidrun äußert begeistert "Wie beim Syltlauf!"
Ich bin froh, als am Brather Hof bei km 21 der nächste V-Punkt kommt. Da ich meine, dass sich Wadenkrämpfe anbahnen, greife ich zu einer Salztablette, womit ich bisher wenig Erfahrung habe. Aber das scheint richtig gewesen zu sein, jedenfalls bleibe ich verschont von solcher Unbill.

Ich bin für meinen Teil froh, dass es dann wieder in geschütztere Täler geht. Doch wehe, das Tal liegt genau in Windrichtung, dann heißt es wieder Stemmarbeit leisten!

Irgendwo im Wald sind wir drei plötzlich allein. Das Grüppchen vor uns außer Sicht, hinter uns noch niemand. Und dann kommt eine Wegegabelung, von der Heidrun und ich überzeugt sind, dass wir die linke Option wählen müssen, auch wenn die arg steil ist. Geli, sie lief diesen Marathon schon, ist eher skeptisch. Heidrun erkundet den Weg - und bleibt verschwunden. Wie sie später sagt, habe sie uns doch mit Pfiffen von weiter locken wollen. Ja, bei orgelnden Sturmböen kommen Pfiffe einfach nicht so planmäßig an...
Es tauchen dann weitere ortskundige Läufer auf, und wir erfahren, dass es rechts recht gewesen wäre, die kleine Abkürzung (wir schätzen 100 - 200 m) aber durch steilen Anstieg teuer erkauft war. Die Wartezeit an dieser Stelle bis zur Klärung der Lage bekommt mir gut.
Recht bald folgt Gut Heistert (km 26) und dahinter der letzte V-Punkt auf der heutigen Strecke. Ich greife zu Dextrotäfelchen und mir ist nach Apfelschorle. Das labt die müde Läuferin, und das Wissen, es geht nun nicht mehr stramm bergauf, sondern überwiegend sanft bergab. Streckenkenntnis ist immer wieder unbezahlbar!

Und da es eh' um nichts geht, geht man auch das eine oder andere Mal öfter als sonst.
Als wir Kalterherberg mit seinem Eifeldom passieren wissen wir, bald ist das Lauf-Ende erreicht.








Noch einmal geht es für rd. 2-3 km ans "Ufer" der Rur, parallel zu einem ehemaligen Bahndamm. Heute ist er in weiten Teilen als Radwanderweg hergerichtet ist und stellt kurioserweise belgisches Hoheitsgebiet dar.
Während Heidrun ihrer Verzückung über das nahende Tagesziel durch Kommunikationsanfälle Ausdruck verleiht, schlurfe ich heute eher das letzte Stück vor mich hin, ich nenne es mal auslaufen 😏 . Freue mich, den Parkplatz an der Norbertuskapelle zu erspähen und lasse mir mehrfach den Durst mit Apfelschorle stillen. Ja, in 2 Wochen beim "echten" Lauf hätte man dann ab hier noch rd. 9 km, einen 1,5 km langen, zehrenden Anstieg, das Leyloch, danach wieder sanftes Bergabrollen und am Ende nochmals einen Anstieg ins Ziel.
Mir reichen die heutigen wieder über 600 Höhenmeter!

Ein herzlicher Dank geht wieder an den TV Konzen, dessen Mannschaft diese Trainings anbietet, organisiert und so kurzweiliges Trainieren ermöglicht! 👏👋
Zum Post des ersten Trainings auf der Originalstrecke gehts hier: Link

20°, 32,8 km, 4:05:58 (netto ohne Pausen)